Dorfzentrum Au

Wettbewerbsbeitrag (5. Rang) für die Belebung und Gestaltung des Dorfzentrums der Gemeinde Au, 2017

In der Gemeinde Au wird bereits seit einigen Jahren sukzessive nach Innen verdichtet. Die hauptsächliche Aufgabe der Gemeinde ist es dabei, die Entwicklung in den verschiedenen Ortsteilen und Quartieren sinnvoll zu lenken. Parallel dazu gilt es, qualitativ hochwertige und vielfältig nutzbare öffentliche Räume bereit zu stellen: Das Dorfzentrum von Au soll sich zu einem öffentlichen, belebten, beziehungsreichen und vielfältigen Zentrum für alle Einwohnerinnen und Einwohner entwickeln.

Beispiele innerer Verdichtung im Zentrum

Das vorgeschlagene städtebauliche Entwicklungskonzept ist in zwei Etappen gegliedert. Die erste Etappe kann als Anstoss und ‘Anleitung‘ für die Dorfkernentwicklung gelesen werden: In diesem ersten Schritt soll der Rahmenplan verabschiedet und das neue Gemeindehaus realisiert werden. Dies ist die Initialzündung für alle weiteren Entwicklungen. Die übrigen Teilprojekte lassen sich unabhängig voneinander umsetzen. Dadurch ist das Konzept nicht an einen exakten Fahrplan gebunden.

Vom Strassendorf zum Dorf mit Kern
Schrittweise Erneuerung: flexible Etappierung in Raum und Zeit

Der Dorfplatz soll auch in Zukunft direkt an der Hauptstrasse liegen und bleibt weiterhin als klar erkennbare Zäsur im Strassenverlauf erhalten. So kann er auch in Zukunft seine Funktion als zentraler Ort für alle beibehalten. Ergänzt wird der verdichtete öffentliche Raum durch den Kirchgarten und den neu gefassten Spielpark mit Schülergarten.

Die bereits bestehende rechtwinklige Struktur der öffentlichen Bauten wird fortgeführt und gestärkt. Räumlich entsteht nicht EIN Dorfplatz, sondern ein Konglomerat verschiedener Platzräume. Eine Abfolge von Freiräumen mit jeweils starken eigenen Identitäten sorgt für ein spannungsvolles Raumerlebnis: Dorfplatz, Kirchgarten, Spielpark mit Schulgarten und Kirchvorplatz mit Brunnen und Bäckerei bieten eine attraktive Umgebung für Gewerbetreibende. Die multipolare Ordnung unterschiedlicher Programme, Zeiten, Akteure und Möglichkeitsräume bietet grosses Potenzial für Synergien und die Identifikation der Einwohnerinnen und Einwohner mit dem Dorfkern.

Öffentlicher Raum – Das Ensemble der Gebäude um die Katholische Kirche südlich der Grünanlage am Littenbach entwickelt sich mittel- bis langfristig zu einem urbanen Dorfzentrum.
Motorisierter Verkehr und Parkierung – Die beiden Tiefgarageneinfahrten werden dort gebündelt, wo das grösste Verkehrsaufkommen zu erwarten ist: beim Gemeindehaus und bei der Detailhändlerfiliale.
Langsamverkehr und Parkierung – Das Freiraumnetz ist durchlässig und ermöglicht maximale Bewegungsfreiheit. Alle gewohnten Wege bleiben erhalten und werden durch zusätzliche Verbindungen ergänzt.
Grünräume und Bepflanzung – Zwei Gärten und die grossen Bestandsbäumen des Kirchwegs verleihen dem Ortskern einen parkartigen Charakter. Der Dorfplatz ist entlang der Hauptstrasse durch einen Kastanienhain gefasst.
Bebauungsfelder – Die Planung des Zentrums dient in erster Linie zur räumlichen und qualitativen Sicherung der öffentlichen Freiräume. Die verbleibenden Baufelder werden aufgezont und können als Dorfkernzone 4 (DK4) bebaut werden.
Landumlegungen – Der vorgeschlagene Parzellentausch zwischen katholischer und politischer Gemeinde sowie die verschiedenen kleineren Grenzbereinigungen sind auch unter Beibehaltung der aktuellen Bauvolumen und Parzellennutzungen umsetzbar.

Die ortsbauliche Gesamtidee ist als übergeordnete Zielvorstellung zu verstehen, die langfristig umgesetzt werden kann. Ebenso wichtig war bei der Erarbeitung, dass sich auch in allen möglichen Zwischenständen sinnvolle Raumkonstellationen und attraktive Zentrumsräume ergeben. Mit dem vorgeschlagenen städtebaulichen Rahmenplan sind die verschiedenen Teilschritte zur Belebung des Dorfkerns von Au unabhängig voneinander plan- und realisierbar. So kann der Wandel der Gemeinde kontinuierlich und professionell begleitet werden und auch in Zukunft flexibel auf die Anforderungen der Zeit reagiert werden.

Neubau Gemeindehaus
Gemeindehaus und Filiale Detailhändler
Gemeindehaus, privates Wohn- und Geschäftshaus, Detailhändler und Pfarreiheim
Gemeindehaus, Detailhändler und Schulerweiterung
Gemeindehaus, Pfarreiheim, Detailhändler, Schulhauserweiterung und Genossenschaft
Gemeindehaus, Pfarreiheim, Detailhändler, Schulerweiterung, Genossenschaft und Dorfplatz mit Tiefgarage
Gemeindehaus mit Dorfplatz inkl. Tiefgarage, Schulerweiterung und privates Wohnhaus
Gemeindehaus mit Dorfplatz inkl. Tiefgarage, Pfarreiheim, Genossenschaft und private Wohnhäuser
Gemeindehaus mit Dorfplatz inkl. Tiefgarage, Pfarreiheim und Genossenschaft

Öffentliche Tiefgarage und Dorfplatz
Der Dorfplatz bleibt an seiner heutigen Lage bestehen. Er wird durch die Kirche, das neue Gemeindehaus, ein Baumfeld an der Hauptstrasse und allfällige Neubauten entlang der Walzenhauserstrasse gefasst. Hier finden in Zukunft grosse Feste, Märkte und öffentliche Veranstaltungen statt. Die heutigen Parkplätze werden unterirdisch angeordnet. Damit steht mehr Raum für den Langsamverkehr und attraktive Begegnungsräume zur Verfügung.

Pfarreiheim und Kirchgarten
Für den Neubau des Pfarreizentrums und die Anlage des Kirchgartens wird ein Parzellentausch vorgeschlagen. Damit sind Pfarreiheim, Kirchgarten und die Katholische Kirche in Zukunft räumlich besser miteinander verbunden. Der Kirchgarten kann für kirchliche und andere öffentliche oder private Anlässe genutzt werden. Dadurch steht neben dem Spielpark und dem Dorfplatz zusätzlich auch ein kleiner und feiner Ort für intimere Anlässe zur Verfügung.

Filiale Detailhändler mit Tiefgarage
Mit dem Neubau einer Detailhändlerfiliale an Stelle des ehemaligen Gemeindehauses kann das Einzelhandelsangebot im Dorfzentrum ideal ergänzt werden. Durch die zentrale Lage ist der Laden fussläufig gut erreichbar und verfügt über ein komfortables Parkplatzangebot an verkehrsgünstiger Lage (kein Suchverkehr). Das Gebäude ordnet sich selbstverständlich in die Reihe bereits bestehender Hallenbauten ein.

Erweiterung der Schulanlage
Durch die Positionierung des Neubau-Volumens im rechten Winkel zum bestehenden Kindergarten entsteht ein attraktiver, gefasster gemeinsamer Grünraum. Alle grossen Gemeinschaftsräume des Erweiterungsbaus sind auf diesen ausgerichtet. Der Neubau trägt dazu bei, den grosszügigen zusammenhängenden Sport- und Erlebnisraum am Littenbach in Zukunft noch besser in Wert zu setzen.

Genossenschaft Walzenhauserstrasse
Wird das neue Pfarreiheim mit Kirchgarten östlich der Katholischen Kirche realisiert, so kann die bisherige Liegenschaft mittel- bis langfristig umgenutzt, erweitert oder ersetzt werden. Die zentrale Lage in Zusammenhang mit dem unmittelbaren räumlichen Bezug zum Schulareal bietet viel Potenzial für die zukünftige Entwicklung und viele Synergien mit anderen Nutzungen.

Private Ersatzneubauten entlang der Hauptstrasse
Für die privaten Eigentümer im Dorfzentrum bietet der neue Rahmenplan viele Chancen. Einerseits profitieren sie von der vorgesehenen Aufzonung, andererseits bietet die koordinierte Planung viele Synergien. Die attraktive Erschliessung und die koordinierten Baulinien gewährleisten lebendige öffentliche Bereiche mit hoher Nutzungsqualität und tragen zur Wertigkeit der Immobilien bei. In den Erdgeschossen sind publikumswirksame Nutzungen vorgesehen, auch kombinierte Wohn- und Gewerbe-Ateliers oder Maisonette-Homeoffice-Lösungen sind denkbar.

Als grösstes bestehendes Bauvolumen mit hohem Identifikationspotential ist die Katholische Kirche integraler Bestandteil der vorgeschlagenen städtebaulichen Setzung. Um sie herum sind differenzierte Freiräume für unterschiedliche Nutzungen vorgesehen. Neue Gebäude werden dazu ‘benutzt‘, diese öffentlichen Freiräume zu strukturieren und räumlich zu fassen. Die Volumen privater Bauvorhaben werden in Körnung und Volumen der umgebenden Bebauung zugeordnet. Das Dorf rückt sozusagen um die öffentlichen Freiräume bei der Kirche zusammen.

Dorfzentrum Au Status: Wettbewerbsbeitrag (5. Rang). Programm: Belebung und Gestaltung Dorfzentrum Au. Ort: Au (SG). Termine: Planung 2017. Zusammenarbeit mit Heinrich Landschaftsarchitektur. Ausloberin: Politische Gemeinde Au (SG). Mitarbeit: Michael Wagner, Raphael Vanzella, Sophia Disiou. Download: Jurybericht.